Schnellganggetriebe 170d I

Endlich ist der Sommer vorbei! Schluss mit Reisen, tollen Feiern und schönem Wetter; Sonne macht eh nur albern. Endlich ist es bitter kalt, stürmisch und es regnet wochenlang am Stück. Die Sonne scheint nur noch, wenn man auf Arbeit ist und die Selbstmordraten steigen an. Jeder Versuch, im Freien am LKW etwas zu montieren, muss man zehn Minuten aufgegeben werden, da die Kleidung bis auf die Haut durchnässt ist und einem das Regenwasser auf der Brille die Sicht nimmt.

Nun ist endlich die Zeit, sich ausführlich mit altem Stahl zu beschäftigen. Nun können die Winterprojekte aus den Ecken gezerrt werden, in denen man sie sich im Sommer zurecht gelegt hat:

CIMG0788

Worum geht es?

Nun, mit den kürzeren Differentialen muss der Motor auf Abregeldrehzahl brüllen, damit der Deutz noch mit dem allgemeinen LKW-Verkehr mitschwimmen kann. Das ist zwar am Berg toll, ansonsten schadet es jedoch allen Beteiligten: Dem Geldbeutel weil die unnötig hohe Drehzahl unnötige Verluste und damit auch unnötig viel Dieselverbraucht kostet. Dem Motor weil das unnötigen Verschleiß bedeutet. Den Insassen, weil sie vom Motor niedergebrüllt werden. Das schmälert den Musikgenuss während der Fahrt und zudem das Hörvermögen.

Die Lösung dafür ist es die Drehzahl bei 87km/h durch eine längere Gesamtuntersetzung zu verringern.

Das soll durch preiswert zu erstehende A6-55 Getriebe erreicht werden, wie sie bei der Bundeswehr im Magirus Jupiter, in dem MAN630 und vielen anderen LKW eingesetzt wurden. Diese haben einen identischen Flansch wie die im 170er original verbauten AK5-45 oder S5-45 Getriebe. Es muss jedoch der vordere Getriebedeckel vom 45er Getriebe übernommen werden.

 

Nun können die Getriebe sowohl liegend als auch stehend eingebaut werden. Das Getriebe im 170er Frontlenker liegt. Das Schnellganggetriebe aus dem Jupiter steht leider. Im MAN630 wurde das AK6-55 jedoch liegend verbaut, leider aber nicht als Schnellgang Version. Daher habe ich ein liegendes Getriebe gekauft und ein stehendes Schnellgang-Getriebe mit einem Lagerschaden geschenkt bekommen.

 

Konkret: Es soll aus einem "liegend, langsam" und "stehend schnell" ein "liegend schnell" gebaut werden. Außerdem braucht es noch einen vorderen Deckel von einem 45er Getriebe und der schwere Nebenabtrieb soll auch weichen.

 

Zuerst einmal wird der Abtriebsflansch mittels der zuvor entwickelten Wellendichtring-Schnellwechsel-Maschine gelöst.

CIMG0791

 

Dann ist schnell der Deckel vom Getriebe demontiert. Ganz schön voll, so ein AK6-55. Oben drauf ist gut die Ansteuerung der einzelnen Gänge zu erkennen.

 

CIMG0790

 

Ein Teil des Innenlebens des Nebenabtriebes, welcher ...

 

CIMG0792

 

... hier ausgebaut wurde.

 

CIMG0793

 

Weil nämlich hinten im Gehäuse des Nebenabtriebes Schrauben gelöst werden müssen um jenen zu demontieren. Sollte man das bei eingebautem Getriebe tun müssen, ist da sicher nicht leicht heranzukommen, wahrscheinlich muss der Nebenabtrieb stärker demontiert werden.

 

CIMG0796

 

So, aber nun kann der Abtrieb nach hinten vom Getriebe abgezogen werden.

 

CIMG0797

 

Mit jeder demontierten Baugruppe wird das Aggregat handlicher. Als nächstes steht die Schadensanalyse/Begutachtung an. Auf dem ersten Blick ist kaum etwas zu erkennen, außer dass am Lager der Hilfswelle der Anlaufring weggebrochen ist. Außerdem weißt ein Stahlring an der Abtriebswelle am Rand Verfärbungen auf, welche jedoch nicht unbedingt auf einen Fehler hinweisen.

 

CIMG0798

 

Außerdem ist mir eventuell eine verwegene Planänderung in den Sinn gekommen, welche zwei Nachteile des Umbaus eliminieren würde. Bevor das jedoch Spruchreif ist, müssen noch einige Dinge geprüft werden.