
"WIG-Schweißen" oder "Auspuff 170er"
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- Erstellt am Montag, 27. Juni 2011 00:14
- Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 20. November 2011 13:29
- Geschrieben von Felix H.
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Es gibt Projekte, da legt man selbst fest, wann man sie angehen möchte. Und es gibt halt Projekte, die bestimmen selbst, wann sie angegangen werden. Dieses ist eines von den letzteren. Aber nun kann ich wenigstens einigermaßen WIG-Schweißen, es gibt halt an Allem etwas Gutes.

Es begann damit, dass ich vor drei Wochen mit Freunden auf ein Festival fahren wollte: "Brüll" - da ist wohl wieder mal eins der vielen Löcher im Auspuff größer geworden. Ein vor Ort gestrickter Flicken aus Alublech konnte nicht helfen. Nun flicke ich den Auspuff schon seit Jahren, an kritischen Stellen stapeln sich bereits Generationen von Flicken übereinander. Aber nun ist es so weit, kaum ist ein Auspuff 34 Jahre alt, schon ist alles rott, flicken ist hoffnungslos. Also: Das Teil muss komplett ersetzt werden!
Passend dass ich eh gerade das WIG-Schweißen erlernen wollte, nach Elektrode, MAG und Autogen ein Schweißverfahren was mir noch gefehlt hat. Ein geeignetes Schweißgerät zu kaufen ist ein ziemlicher Akt, mein Pflichtenheft ist: Soll Aulminium können, soll an Lichtstrom funktionieren und ich muss es tragen können. Da wird die Auswahl knapp, Deutsche Markengeräte sprengen das Budget, und auch gebrauchte Industriegeräte liegen immer noch zu teuer 1,5k EUR und aufwärts. Also ist es schweren Herzens ein Cina-Böller (Die blaue Kiste auf dem Foto) geworden, aber immerhin einer der besseren. Ich bin mit den Schweißnähten mehr als zufrieden, wenn man die Koordination ein wenig raus hat, macht es richtig Spaß damit zu arbeiten. Nur das Schlauchpaket taugt nicht viel.

Neben Werkzeug benötigt es noch Material:
Rohre...

...Krams...

... und auf dem CNC-Laser musste auch noch was zugeschnitten werden. VA-Blech in 8mm ist übrigens nicht billig, für die Teile auf dem Foto etwa 100EUR reines Material.

Hierzu ist anzumerken, dass das Lochbild der Flansche oben den 3-Loch-Normflanschen am Auspuff entspricht, wie man sie auch von Dinex o.Ä. bekommen würde. Die Dichtungen welche ich gekauft habe, stammen aber von so einer PKW-Tuningbude bei Ebay: Die Flansche von dort passen nicht richtig, sie sind kleiner. (Ist dennoch dicht) Aber besser das nächste Mal Dinex kaufen.

Erst mussten nervige Dinge gebaut werden, wie z.B. Halter für den Auspufftopf an seiner neuen Position über dem Reserverad.

Dann konnte es endlich ans Rohre-Schweißen gehen. Für drei Abende Übung an der WIG-Nadel bin ich ganz zufrieden, wobei ich aber vorher schon etwas Autogenschweißen konnte, was denke ich recht hilfreich ist.

Und mit WIG gibt es keinen schöneren Nahttyp, als den Eckstoß! Einfach nur verlaufen lassen.

Aber auch Kehnähte werden ganz ordentlich.
Für den neuen Auspuff musste eine ganze Reihe von Rohren gebaut werden. Recht aufwändig, weil alles muss eingebaut, im Auto geheftet, ausgebaut, durchgeschweißt und wieder montiert werden. Manchmal mehrmals. Einfach war da der Auspufftopf (Dieser ist optisch gammelig, ich habe ihn aber 2008 restauriert, daher hat der noch genug Fleisch unterm Rost.)

Aufwändiger schon das senkrechte Rohr zum Topf. Ein Bügel verhindert, dass das Reserverad am Rohr festbrennt, sollte es mal verrutschen.

Eine ziemliche Tüftelei war das Rohr übers Verteilergetriebe an den Koffer. Es besitzt zwei Flexrohre rechtwinklig zueinander ausgerichtet, welche die Kofferbewegungen in der Dreipunktlagerung ausgleichen sollen. Ob das fürs schwere Gelände ausreicht wird die Praxis zeigen.

Dann noch das Sammel-Rohr.

Und die beiden Stücke zwischen Krümmer und Sammelrohr. Wieder mit Flexrohr um das Gehüpfe des Motors abzufangen.

Der Einbau ist schwer zu fotografieren, aber ich versuche es mal:
Auspufftopf im Koffer.

Das Rohr mit den zwei Flexstücken schlängelt sich zwischen LKW-Rahmen und Koffer durch. (Es gibt inzwischen noch ein Hitzeschutzblech zwischen Rohr und Kofferboden)

Vom Krümmer aus in Richtung Sammler.

Hier die neue Auspuffposition im Koffer. Das Endrohr muss ich noch etwas ändern, im Moment rußt er nach oben vor den Koffer. Morgen kommt auch wieder das schwarze Gitter vor den Topf.

Wirklich leiser ist der Deutz leider nicht geworden, dafür sind noch zu viele Löcher im Krümmer. Die werden aber auch noch gestopft.
Nachtag 07.2011: Inzwischen habe ich das Streckmetall-Gitter wieder montiert und das Endrohr so weit es geht verlängert. Nun rußt der Auspuff nicht mehr vor den Koffer, auf dem Bild sieht man den Ruß nach der selben Teststrecke wie oben.


Außerdem sind noch die Löcher im Krümmer gestopft worden, wie dieses zum Beispiel.

Das geht am besten mit einem Autogenschweißgerät, weil das Autogenschweißen funktioniert auch bei rostigen oder dreckigen Teilen sehr gut, wo Elektroschweißverfahren meist wenig taugen.

Nun schnell einen Flicken geschitten.

Und diesen verschweißt. Leider sieht die Naht bei Blitzlicht (und Unscharf) erbärmlich aus, ist sie aber eigentlich nicht.

An einigen Stellen musste der Krümmer auch von hinten geschweißt werden. Ich habe das na ein paar Versuchen mit einem Spiegel ganz gut hinbekommen, fühle mich danach wie Chef persönlich! Nun ist der Deutz wieder schön leise, beinah geräuschlos... Aber zwischen Motorbremse und VA-Flansch kommt nun auch noch eine Dichtung, da patscht es stellenweise etwas raus.



