Wellendichtring-Schnellwechsel-Maschine

Jeder kennt sicherlich die Leiden, wenn die großen, mit bis zu 2700 Nm angezogenden Flanschmuttern von Getriebeflanschen gelöst werden müssen, um z.B. Simmerringe zu tauschen. Schweiß, Blut, Tränen und Azythelen müssen/können dann fließen. Zöllige Knebel reißen ab, brennende Baugruppen müssen eilig gelöscht werden und Ähnliches. Liegt eine Baugruppe wie ein Getriebe lose in der Wekstatt, kann man die Flansche gar nicht lösen, ohne das Ding in Beton zu vergießen, damit der Hebel einen Gegenhalt hat.

Alles in Allem keine schöne Sache, macht man so etwas öfter, so entwickelt man eine Allergie-ähnliche Abneigung dagegen. So kam mir beim Stöbern im Netz folgende Idee: Der Chinese verkauft einem für etwa 50EUR Zöllige Drehmomentverstärker mit einer Untersetzung von etwa 1:60 in kurze. Das könnte einem Helfen. Auch wenn nicht klar ist, ob die Dinger taugen.
Montag Abend 21:00 Uhr: Aus etwas Schrott schnell eine Drehmomentstütze geschweißt.

 

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Unter Fluchen und Verwünschungen den Kardanwellenflansch abgeschraubt: SAE-Fehlkonstruktion. Nun die improvisierte Drehmomentstütze angeschraubt. Für die Schrauben etwas Vernünftiges nehmen und diese auch vernünftig anziehen: Hier werden grobe Kräfte walten und man will ja nicht, dass einem alles um die Ohren fliegt.
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Beim Händler für Ex-BW-Krempel eine SW65 Nuss mit Zölligem Antrieb erstanden (Eine 50er für 120mm-Flansche gleich mit) Neu und regulär kann man den Kram nicht bezahlen. Damit eine Norm-Nuss in SW65 in den Flansch passt, muss man sie vorne jedoch um etwa 6mm dünner machen. Dafür habe ich sie in eine Holzdrechselmaschine eingespannt (habe nix anderes zur Verfügung) und die Flex daran gehalten. Der CrV-Stahl hat zwar eine ganze 125er Schruppscheibe gekostet, aber danach passt die Nuss.
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Jetzt das 1:60-Getriebe draufstecken. Der Fuß vom Getriebe greift in der Drehmomentstütze.
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Kurbel dran...
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... und gemütliche 500 Kurbelumdrehungen aus dem Handgelenk später ist die Mutter lose. (Sie trägt noch Spuren früherer Brachialdemontagen)
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Hier der undichte Flansch: Nah dem rostigen Bereich sieht man tiefe Narben im Flansch und die Riefen in denen der Dichtrig lief. Weiter innen ist der Flansch aber durchaus noch ok. Da eine Wellenschutzhülse (Spedy-Sleeve) in der Größe etwa 40EUR kostet, werden die Kosten erst einmal gescheut. Es wird einfach ein 10mm Dichtring statt einem 12mm eingebaut. Sollte es ein nächstes Mal geben, kann ich immer noch die Lauffläche vom Flansch mit einer Hülse neuwertig reparieren. Obwohl es die Wedi-Größe auch noch in 8mm Dicke gibt...
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Hier sieht man den 2mm tiefer eingeschlagenden Simmerring. So läuft er weiter innen, wo die Flanschoberfläche noch jungfäulich ist. Schlägt man den Ring tiefer als bündig, ist es gut, eine geeignete Schlagplatte zu haben, sonnst geht das schnell schief. Ich bewahre gerne alte Lagerringe als Montagewerkzeug für Dichtringe auf. (Für die Erstlinge: Die ganze nicht-siffige Baugruppe lässt sich abschrauben und mit Flächendichtkleber wieder am Getriebe montieren. So kann man den Dichtring schön auf der Werkbank montieren.)
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Mit dem Fett nicht sparsam sein! (Wichtig: Auch zwischen Dicht- und Staubschutzlippe vom Wedi)
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Montag 23:00 Uhr: Alles ist wieder schön montiert, ein Malzbier kann geöffnet werden. Der Meinungsverstärker eignet sich natürlich genau so gut, um die Mutter wieder anzuziehen. Nur ein Drehmomentschlüssel wird kaum etwas bringen, die Hemmung im Getriebe verfälscht das Ergebnis zu stark. Für die Neulinge: Die Muttern und Flansche sind manchmal geklebt, dann muss man sie auch wieder kleben. In diesem Fall ist aber nur die Kronmutter mit einem Splint gesichert. Auf dem Foto glänzen die Schrauben: An der Kardanwelle bin ich etwas zimperlicher mit den Verschraubungen, weil eine lose unterm Auto schlagende Welle gar nicht so toll ist. Also die Stoppmutern nur einmal verwenden und sollte man die Schrauben bei der Demontage kaputt machen (müssen), so sollten da wieder 10.9 (Feingewinde) mit Schaft rein, wie original, auch wenn die schwer zu bekommen sind. (Im Zweifel im Internet bestellen)

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Etwas vorsichtig sollte mit dem 1:60 Getriebe umgegangen werden: Das erzeugt brutalste Kräfte, für die einem jedes Gefühl fehlt. Daher nur die Original Kurbel benutzen, keine Verlängerungen oder so. Wem die selbstgebaute Drehmomentstütze um die Ohren fliegt, der ist selbst Schuld:
1. Weil er selbst dafür verantwortlich ist, dass diese bis zu 5000Nm sicher aushalten kann.
2. Weil er aufpassen muss, dass seine Knochen nicht im Wege sind, sollt dennoch etwas auseinanderfliegen.
Wer das nicht sicher hinbekommt sollte die Finger davon lassen!
Alles in Allem ist das für nur einen einzigen demontierten Flansch viel Aufwand. Für nur einen demontierten Flansch würde ich den Brenner nehmen und die Mutter wie bisher mit dem Meißel losprügeln. Aber macht man so etwas hin und wieder, so hat man die 50EUR für das Getriebe schnell raus. Eine zöllige Knarre kostet auch nicht weniger... Die 15EUR für die BW-Nuss und die 2Stunden mit der Flex kommen hinzu.

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