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Verstanden

Bei der letzten Tour ist mir aufgefallen, dass der LKW unter der Kupplungsglocke Bremsflüssigkeit verliert. Die Ursache ist schnell gefunden: Ein undichter Kupplungsnehmerzylinder. Das kommt bei einem 30 Jahre alten LKW schon einmal vor. Interessanter Weise ist es immer der Kupplungsnehmer.

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Schnell war klar, dass es an der Zeit ist die komplette Hydraulik der Kupplung zu erneuern, selbst die Leitung und die Schläuche waren in keinen schönen Zustand mehr. Oben sieht man den Zustand des Kupplungsgeberzylinder und des Pedalgestänges nach Ausbau.

 

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Um im Weiteren einigermaßen sauber arbeiten zu können mussten alle Bauteile mit der Drahtbürste von Rost, Schmutz und loser Farbe gereinigt werden. Nun glänzt der Flansch wieder.

 

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Als nächstes muss der Zylinder zerlegt werden. Vorsicht, hier sind Teile mit einer Feder gespannt und können weg fliegen. Oben sieht man den Kunststoff-Kolben und die Feder des FTE-Reparatursatzes RK23732 für den Kupplungsnehmerzylinder des 170ers im Vergleich zum originalen Aluminium-Kolben. Die beiden Teile sehen sehr unterschiedlich aus, aber der Kunstoff-Kolben passt problemlos in den Zylinder.

 

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Vor dem Einbau des Reparatursatzes muss der Zylinder gründlich gereinigt werden, bei mir war ein grünlicher Schlamm im Zylinder. Danach muss er mit Bremsenmontage-Paste (z.B. von ATE) geschmiert werden, damit die Dichtkanten der Manschetten beim Zusammenbau nicht beschädigt werden. Wichtig: Auf keinen Fall Öl oder Fett verwenden. Im Notfall den Zylinder mit Bremsflüssigkeit benetzen. Danach den Kolben in den Zylinder schieben und den Sicherungsdraht in die entsprechende Nut drücken. So sieht der fertig montierte Reparatursatz aus.

 

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Und hier hat er auch eine neue Staubschutzmanschette und eine neue Betätigungsstange. Er kann nun wieder eingebaut werden.

 

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Aber zuvor müssen die anderen Bauteile vorbereitet werden, als nächstes der Nehmerzylinder.

 

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Aber zuvor müssen die anderen Bauteile vorbereitet werden, als nächstes der Nehmerzylinder: Wenn man ihn mit der offenen Seite auf die Werkbank klopft fällt schnell der Kolben heraus. Die Dichtmanschette hat tiefe Riefen, sie sind sogar auf dem unscharfen Foto oben zu erkennen. Die Oberfläche des Zylinders ist dennoch nicht beschädigt. Hier würde ein Reparatursatz ausreichen, aber da ich preiswert einen neuen Zylinder beschaffen konnte ersetzte ich den FTE-Zylinder Nr. KN3801A1 vollständig.

 

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Und zum Schluss das Kupplungspedal. Die Welle des Pedals lässt sich nicht abschmieren, entsprechend ausgehärtet war das 30 Jahre alte Fett in der Schmiernut des Lagers. Durch den Schmiermangel kann man deutliche Verschleißspuren an der Welle erkennen. Das Lager hat aber kein störendes Spiel, daher habe ich die Welle wieder eingebaut. Aber der 10mm-Klappsplint, welcher das Pedal mit der Kolbenstange des Geberzylinders verbindet, war so stark verschlissen, dass er getauscht werden musste. Dieses Teil würde ich Grundsätzlich bei jeder Montage mit tauschen.

 

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Hier ist alles gereinigt, mit einem MOS2-Langzeit-Fett geschmiert und für den Einbau vorbereitet.

 

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Wenn man den neuen/instand gesetzten Nehmerzylinder auf der Kupplungsglocke montiert hat muss man dieses abschließend einstellen. Dazu kann man an der Stange (dort wo auf dem Foto der Schraubenschlüssel angesetzt ist) eine Kontermutter lösen und die Kolbenstange in der Länge einstellen. Diese stellt man dann so lang, dass man an der Ausrückgabel (gelber Pfeil) gerade noch ein Spiel spüren kann (in etwa 1mm Spiel an der Gabel). Nicht wundern: Je besser die Kupplung eingestellt ist, desto später bekommt sie beim Einkuppel Kontakt.

Es war bei mir bisher nie notwendig, die Kupplung am Geberzylinder zu entlüften. Es hat genügt, die Kupplung am Nehmerzylinder zu entlüften. Wenn man das like Bodenblech entfernt geht kann man sogar allein sowohl das Pedal wie auch den Entlüfternippel erreichen.

Da die Leitung und die Schläuche auch in keinem guten Zustand mehr waren, habe ich diese auch getauscht, wenn ich die Kupplung schon neu entlüften muss. Da ich so direkt keine passenden Schläuche beschaffen konnte und auch kein Börderl-Gerät für 8mm-Leitungen auftreiben konnte, habe ich folgendes gemacht:

  • Es gibt von ATE (Nr. 033.3521-0100.1) ein Adapter mit 12mm Ringauge auf M10x1 Bördelverschraubung.
  • Daran lässt sich ein gewöhnlicher Bremsschlauch (450mm lang) schrauben. Z.B. ATE Nr. 83.7704-0421.3.
  • In die andere Seite des Bremsschlauchs passt dann eine leichte 6mm Ermeteo-Einschraubverbindung die es mit dem passenden M10x1 Gewinde gibt. Damit kann man dann ein normales 6mm Hydraulikrohr auf läche schneiden und verwenden, ohne dass man ein Bördelgerät verwenden muss. Die Ringaugen und die Einschraubverbindungen müssen mit Kupferringen eingedichtet werden. Eventuell sollte man auch gleich zwei neue Hohlschrauben besorgen. Außerdem braucht man meist eine neue Schlauchschelle 12mm für den Schlauch zum Vorratsbehälter und ca. 1/2l Bremsflüssigkeit.

 

Wenn die Hydraulik nicht undicht ist, ist das Ganze keine dringende Reparatur. Aber bei dem Zustand des Pedals und der Hydraulik würde ich doch folgendes Empfehlen:

  • Eine Dichtung Nutring H 3432 für den Nehmerzylinder und zwei Nutringe H 2330 (FTE) auf Reisen immer zusammen mit mind. einem halben Liter Bremsflüssigkeit im Auto an Bord zu haben. Die Dichtringe kosten nur ein paar EUR, wiegen nur wenige Gramm und sollte etwas undicht werden, genügt es diese Teile zu tauschen, um damit problemlos wieder nach hause zu fahren.
  • Vor einer weiten Reise (und wenn das an dem Auto die letzten 30Jahre noch nicht gemacht wurde) würde ich das Pedal und die beiden Zylinder vor Abreise einmal zerlegen, gründlich reinigen und zumindest folgendes tauschen: 1x Splint 10mm (Pedal/Kolbenstange), 2x Nutring Geberzylinder H 2330, ein Mal Staubschutzmanschette Geberzylinder H 2352, ein mal Nutring H 3432 Nehmerzylinder. Diese Teile sind nicht teuer und sehr wahrscheinlich verschlissen. Das vermeidet böse Überraschungen unterwegs
  • Wenn das Budget es zulässt kann man auch gleich größere Gruppen tauschen: Der Repsatz RK23732 für den Geberzylinder kostet 2013 ca 75EUR, der ganze Zylinder mehr als 200EUR, ein Nehmerzylinder KN3801A1 wird für etwa 150EUR verkauft, es gibt auch einen Repsatz dessen Preis ich aber nicht kenne.