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Verstanden

VTG 170er Überholen

 

Eigentlich wollte ich vorm Urlaub nur den Simmerring am Eingangsflansch des VTG tauschen, der nach kurzer Zeit erneut undicht geworden ist. Dabei musste aber feststellen, dass der Flansch erhebliches Spiel hat.

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Der Lagerschaden ist recht offensichtlich, also doch mehr Aufwand, als bloß ein neuer Dichtring.

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Alle Versuche, das Lager am eingebauten Getriebe zu tauschen waren nur Zeitverschwendung, der Innenring ist dabei gebrochen, aber er ließ sich nicht bewegen.

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Also muss das Getriebe ausgebaut und zerlegt werden. Es ist dabei sehr zu empfehlen, vorher alle zugänglichen Schrauben zu lockern und das Öl abzulassen, weil das geht im eingebauten Zustand viel einfacher.

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In der Werkstatt das Getriebe zerlegt, gereinigt und lackiert. Der Lack dient nicht nur kosmetischen Zwecken: Sitzt in irgend einer Ecke noch etwas Sand, so wird dieser durch den Lack gebunden und kann nicht ins Getriebe gelangen.

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Teuer, aber erforderlich: Fünf neue Lager, Laufflächen, Dichtungen.

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Ein Problem ist: Das Lager des Eingangsflansch hat einen ist ein "Zeichnungslager 331856 und ist nicht mehr lieferbar. Der Unterschied zu einem Norm-Lager 32211 ist aber nur, das der Innenring 50mm statt 55mm Durchmesser hat.

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Die Lösung ist ein Nadellagerinnenring IR-50-55-25. Der kann als Hülse auf die Welle gezogen werden, damit abschließend das Norm-Lager 32211 passt. Der Innenring ist dünnwandig genug, um die Passung fast unverändert an das Lager weiter zu geben. Das ist wichtig, da der Innenring des Lagers eine umlaufende Last hat und entsprechend eine feste Passung benötigt damit er sich nicht mitdreht. Axial habe ich den Ring mit etwa einen halben Millimeter dünner geschliffen, damit der Flansch hinterher axial auf das Lager und nicht den Ring spannt. Durch diese axiale Verspannung wird der Innenring zusätzlich am Mitdrehen gehindert.

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Den Innenring vom Lager und den dünnen IR zusammen erwärmen. Erst den IR auf die Welle schieben. Ein geignetes Rohr sollte ebreit liegen, um den Ring ggf. schnell mit ein paar Hammerschlägen treiben uzu können, sollte er klemmen.

Wenn der IR in Position sitzt und abgekühlt ist, wird der Innenring des Lagers hinterher geschoben. Nachdem dieser auch abgekühlt ist, sitzen Lager und Ring zusammen fest auf der Welle, sie lassen sich nicht mehr verschieben.

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 Das gegenüber liegende Lager der oberen Welle hat keinen so starken Schaden. Die Lauffläche des Außenrings zeigt aber Verschleiß, sodass ich dieses Lager auch tausche. Hier kann ein normales 30309 verwendet werden, sodass der Tausch leicht gemacht ist. Vor Montage der Lager nicht vergessen, die Ölfangbleche einzulegen.

 Bei der Gelegenheit sollte man einmal die Zahnräder von der Welle heben und schauen, ob dort die Nadellager in einwandfreiem Zustand sind. Zum Glück sieht dort alles neuwertig aus.

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Anschließend kann die Eingangswelle in das Getriebegehäuse eingelegt und das Spiel mit Passscheiben auf 0.05+-0.05mm eingestellt werden. Eventuelle Dichtungen sind beim Einstellen des Spiels mit zu beachten bzw. trocken mit bei zu legen.

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Auf den ersten Blick machten die Lager der unteren Welle den Eindruck, in gutem Zustand zu sein. Auf den zweiten Blick entdecke ich aber diese Schäden in einem Außenring der Lager. Ich vermute das ist ein Korrosionsschaden. Also kein Risiko eingehen und auch dieses Lager tauschen.

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Auch hier wird das Spiel mit Passscheiben au 0.00 - 0.10mm eimngestellt.

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Auch wenn eine Abweichung um ca.1mm zulässig ist, sollten die Zahnräder möglichst in einer Flucht laufen. 

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Indem man die Passscheiben der Wellen rechts oder links beilegt, kann man die axiale Position der Wellen verschieben, bis die Zahnräder in einer Flucht stehen.

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Alle Teile fetten, ein Tropfen Kleber an die Ölfangbleche...

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... die Gehäuseteile mit Flächendichung einstreichen und Deckel drauf. Um das Getriebe hinterher nicht im Ganzen heben zu müssen, dient die Schubkarre direkt als Werkbank.

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Die Untersetung vom Getriebe ließ sich immer schlecht schalten. Beim zerlegen war auch klar, warum: Die Kugellager vom Schalthebel waren nach außen nur durch eine Blechscheibe und nach innen überhaupt nicht abgedichtet. Das kann ohne Schmierstelle nicht funktionieren, beide Kugellager waren natürlich total verrostet. 

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Also beide Lager getauscht, natürlich gegen beidseitig eine beidseitig abgedichtete Ausführung. Nun schaltet es wieder wie neu. Kann nur jedem empfehlen die beiden Lager zu tauschen, sollte das VTG nicht mehr flüssig schalten.

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Dann die Lauflänge aller drei Flansche mit Speedy Sleve Wellenschutzhülsen Überholen und alle Simmerringe tauschen. Die beiden Vierpunktlager an den Abtriebsflanschen wurden bereits einmal getauscht und sind entsprechend in gutem Zustand.

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Also Öl drauf und wieder zurück damit in den LKW. Es hat nun schon ohne Probleme 200km Probefahrt absolviert, der Urlaub kann kommen.