Island 2000

Island 2000
 
Mit Winni, Klaus, Olaf und… dem Maggie
 
 
 
 
Vom 09.07.2000 – 20.07.2000 haben wir uns einen lang gehegten Wunsch erfüllt und sind nach Island geflogen.
Der Maggie natürlich nicht, der musste schon 9 Tage vorher von Hamburg aus mit dem Schiff anreisen.

 

Die problemlose Beförderung übernahm EIMSKIP. Das kostete für das Fahrzeug ca. das gleiche, wie die Fähre, aber der Flug ist wesentlich günstiger als Personenbeförderung auf der Fähre und wer will schon einen Tag auf den Faröern abhängen ?

Der Maggie

 

 
Technische Daten:
Merkur F125A LF16TS
Bj.: 1962, Umbau 1995-
Motor: F6L613 ,125 PS
46.000 km
Räder: 12.00/20

 

 
Bis auf Flug und Frachter hatten wir wie immer nichts organisiert, zwar vor dem Abflug noch mal die Straßenverhältnisse und
die Wettervorhersage im Internet gecheckt, aber noch keine konkrete Fahrtroute etc. abgesteckt. Viele Infos zu Island gibt es hier.

 

Sonntag Abend kamen wir um 22:00 Uhr in Reykjavik, oder besser gesagt auf dem Flughafen, der etwa 40km außerhalb liegt an.

Der Wagen konnte erst Montag morgen geholt werden, so dass wir eine Unterkunft benötigten.
An der Rezeption gefragt, einen Moment gewartet und schon saßen wir bei unserer Gastwirtin im Van und ab ging durch die
Lava-wüste in die Stadt.

Eins gleich vorweg: Isländer sind sehr gastfreundlich. Wir wurden abends noch direkt in die City gefahren, um Winnis Geburtstag zu feiern,
das war ein teurer Abend, 0,5l Bier 12-15,-DM…

 

Montag Morgen ging es dann nach dem ersten Bad im Whirlpool in den Hafen um den Maggie abzuholen.

Eimskips Freihafen in Reykjavik
 
Es gab die ersten Schwierigkeiten mit dem Zoll, weil in Island ja eine Sondersteuer auf Dieselfahrzeuge erhoben wird, die man
nach dem Leergewicht des Fahrzeugs berechnet und die wird über 4t ganz schön happig.
Hatten wir uns vorher beim Fremdenverkehrsamt darüber informiert, dass bei Fahrzeugen mit Fahrtenschreiber nach gefahrenen
km abgerechnet werden könnte, wollte man auf Island nichts davon wissen, “Für Touristen gilt das nicht…”.
Dank unserer netten Gastwirtin, die dann alles auf Isländisch regeln konnte, bekamen wir dann doch endlich unseren Maggie
aus dem Freihafen. Der wog plötzlich nur noch 2,8t und kostete für die Zeit damit etwa 200,-DM :-).

 

Es war mittlerweile Mittag (zum Glück, denn der Zoll wollte erst das Fahrzeug kontrollieren, in dem sich größere Mengen Lebensmittel befanden… aber es kam gerade das Mittagessen). Es wurde ausgiebig getankt, bei 72l Fassungsvermögen und noch zwei Reservekanistern dauerte das aber nicht lange und der Wagen wurde von den Salzablagerungen befreit, die das Meerwasser auf ihm zurückgelassen hatte. Autowaschen ist auf Island übrigens an fast jeder Tankstelle kostenlos möglich.

Das Salz muss runter
 
Nach einer größeren Stadtrundfahrt und dem Kauf einer Landkarte ging es dann voran.
Erst einmal zur Blauen Lagune, dem Freiluftschwimmbad Islands.
Die Blaa Lonid
 
 
Schwimmen macht hungrig, leider stellten wir fest, dass wir zwar 11kg Propangas, aber keinen Druckminderer dabei hatten.
Also los zur nächsten Tankstelle und… kein Passender dabei. Aber wir sind auf Island und man sollte nie die Hilfsbereitschaft
der Einwohner vergessen: an der Kasse nachgefragt, ein kurzes Telefonat und schon kommt ein netter Herr angefahren, der seinen
kleinen Superstore im Hafen abends um halb neun nochmal öffnet und zwischen dem ganzen Fischereizubehör eins, zwei, drei einen
passenden Druckminderer hervorholt, völlig unproblematisch und als ob das das Selbstverständlichste von der Welt sei. Bezahlt, bedankt,
zum Campingplatz und es gab Leckeres aus der Bordküche.

 

Nach einem Besuch des Geysirs und des Gulfoss brachen wir auf der F26 ins Hochland auf.

Oben: Der Strokkur in Aktion Unten:Der Gullfoss
 
Auf dem Weg trafen wir ein deutsches und österreichisches Pärchen, die an der ersten Furt umgedreht hatten, sich dann
aber entschieden gemeinsam mit uns doch durchzufahren. Was soll schon passieren, wenn doch die Feuerwehr dabei ist ???
An der ersten Furt der Reise
Die erste Furt gemeistert ging es weiter durch die Berge nach Landmannalaugar, die Vorderradbremsen versagten durch
das eingetretene Wasser ihren Dienst, nachdem sie zu trocknen begannen war jede Bremsung von der Erwartung geprägt, wohin
das Lenkrad jetzt wohl ziehen würde, links oder rechts ? Wir fuhren also schön gemächlich, was auf den Schotterpisten bedeutet sehr
unruhig. Die optimale Geschwindigkeit lag sonst bei ca. 50-70km/h, dann waren die Erschütterungen erträglich.
Landmannalaugar
 
Die Straßen wurden zusehends schlechter und wir wollten den Reifendruck absenken, wobei uns auffiel, dass die hinteren
Radmuttern sich zu lösen begannen. Das erste mal musste das Werkzeug raus; von da an täglich einmal nachziehen.
Radmutternpflege
Weiter ging es zurück zur F26, nochmal aufgetankt und dann auf die lange Strecke durchs Hochland, wo man nichts mehr sieht als
Steine, und endlose Weite. Der Himmel hatte sich zugezogen, es wehte ein rauer Wind und es war kalt, naja zumindest draußen,
denn der V6 unter der Haube bereitete eine wohlig warme Fahrgastzelle. Apropos Zelle, der Name ist hier wohl richtig gewählt,
wer den Wagen kennt, weiss dass es vorne recht eng ist, besonders zu dritt.
Endless Fields of stone…
 
Wir wollten noch den nächsten Campingplatz erreichen und fuhren bis ca. 22:00 Uhr, das Wetter wurde dann wesentlich besser
und wir erlebten einen der schönsten Sonnenuntergänge.
Sonnenuntergang am Jökuldalur
An dieser Stelle noch vielen Dank an “Herrn Webasto” der uns trotz seines stattlichen Alters prima eingeheizt hat.
Weiter ging es Richtung Myvatn, wir suchten noch etwas mehr Abenteuer, also fuhren wir eine Straße die auf der Karte als Track markiert war.
War nur etwas enger aber nicht schwieriger zu fahren als die anderen auch.
Der erste Track
Wie fast überall auf Island war auch das Baden im See des geothermalen Kraftwerks in Reykjahild nicht verboten sondern nur
auf eigene Gefahr erlaubt. Mindestens so gut wie die Blaue Lagune, nur umsonst und nicht so voll.
Geothermales Kraftwerk in Reykjahild
Am nächsten Tag fuhren wir weiter zum Dettifoss, dem mächtigsten Wasserfall Europas: 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde fallen 44 Meter tief !
Der Sound ist beeindruckend.
Der Dettifoss
Entlang der 864 sind neben dem Dettifoss noch viele andere Wasserfälle zu bestaunen. Der Weg dorthin ist allerdings nicht immer sehr
komfortabel…
An der 864
Wir um fuhren die Halbinsel Tjörnes und übernachteten in Husavik, wo wir vorher eine Walewatching Fahrt auf einem Fischerboot machten.
Von da aus ging es weiter nach Akureyri und weiter über die 1 Laugarbakki.
Wir hatten uns vorgenommen noch einmal einen Track zu fahren und so ging es über die F578 Richtung Borganes.
Der Weg war sehr schlecht.
Und dann zu Ende !
End of the road…
Nach rechts konnte man einige Wagenspuren entdecken und wir waren sicher, da geht es gleich weiter.
Schon nach einigen 100 Metern war klar, das wird wohl nicht besser.
Ab jetzt musste immer einer vor gehen und schauen, ob die Steine unter den Achsen durchgehen. Wenn nicht, wurde halt drüber gefahren.
Die schönen neuen Decken haben sehr gelitten. Und meine Hände…, nach einer Stunde die ersten Blasen, das macht echt keinen Spaß
ohne Lenkhilfe.
Tortur für Fahrzeug, Fahrer und Mitfahrer

 

Die Strecke wurde zur Zerreißprobe, nicht nur für das Fahrzeug, auch für unsere Freundschaft.
Meine Laune war absolut mies. Der Wagen verdrehte sich, aber kein Hang und kein Fels hielt ihn auf.
Unglaublich was die Ingenieurskunst der 60er so alles möglich machte.
Aber meine Gedanken kreisten nur noch um die Folgen, wenn jetzt was schief geht. Federbruch oder soetwas, wie kriegen wir den Wagen hier dann wieder
raus ? Da hilft nur noch ein Hubschrauber ! Und die Kosten, naja da weiß man dann wofür man die nächsten Jahre arbeitet…
Klaus wollte Fotos. Ich wollte nur weiter. Im Nachhinein schade das es nur wenige gibt.
Nach 6 Stunden Standgas im 1. Geländegang hatten wir schon ganze 5km geschafft, hinter dem nächsten Hügel war eine Hütte,
Winni und Klaus waren sicher: “Da steht ein Müllcontainer und der muss da irgendwie hin, da ist auch wieder ein Weg!”
Naja, das baute mich etwas auf, weiterfahren wollte ich aber nicht mehr.
So wurde wieder “Herr Webasto” in Betrieb genommen und nach einem Bierchen geschlafen.
Am nächsten Morgen, es war Sonntag, ging es weiter.
Die Enttäuschung war groß, der “Müllcontainer” war eine kleine Hütte und der Weg auch nicht besser. Wenigstens stand da ein Schild
und wir wussten, wir hatten uns nicht verfahren.
Also weiter, nach drei Stunden ein Fluss, ca. 15m breit und schmutziges Wasser, durch oder nicht? Für mich gab es keine Diskussion,
den Weg fahre ich nicht zurück.
3. Gang, Gas gegeben und das Lenkrad festgehalten. Es ging gut. Keine großen Felsen im Fluss, die man nicht sah und auch keine zu tiefe Stelle.
Wir kamen in ein Lavafeld und man konnte wieder richtig schnell fahren !
Naja, da hatten wir das Abenteuer ja gehabt, was wir wollten, das einzige, das kaputt ging war die Gummidichtung zwischen Mannschaftsraum und Führerhaus
und eine verbogene Trittstufe.
Über Borganes ging es zurück nach Reykjavik. Wir fuhren noch mal zur Blauen Lagune und Donnerstags ging es dann zurück nach Deutschland.
Der Maggie kam wieder per Schiff nach.

Schön das es solche Autos gibt.

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